Heute werden wir nicht vom Wecker geweckt, sondern von einem der Pfaue, der sich vor unserem Balkon aufgebaut hat, sein Rad schlägt und lauthals schreit. Wir füttern ihn mit Nüssen und kommen so ganz nah an ihn heran. Dann genießen ein feines Frühstück auf der Terrasse. Es ist bewölkt und angenehm kühl. Genau richtig für den heutigen Tag, der ganz im Zeichen des Genusses stehen wird, wir freuen uns auf guten Wein, schöne Aussichten, Entspannung am Pool und kulinarische Erlebnisse.



Alves de Sousa
Gleich nach dem Frühstück fahren wir zum 20 Kilometer entfernten Weingut von Alves de Sousa in Santa Marta de Penaguião. Das Weingut haben wir nicht nur wegen seines hervorragenden Rufs ausgesucht, sondern auch wegen seiner Architektur. Der von Belém Lima Architekten entworfene zweigeteilte Baukörper setzt sich aus einem höheren kleinen und einem massigen, lang gestreckten Quader mit Aufsätzen zusammen. Sie sind gestaffelt am Hang platziert, die kurvenreiche Landstraße führt unmittelbar daran vorbei. Für den Abtransport des Weines hat das große untere Produktionsgebäude eine separate Zufahrt an der schmalen Nordseite, während der höher gelegene Gebäudeteil an der Hangseite im Osten erschlossen wird. Hier übernimmt ein turmartiger Eingangsbau repräsentative Funktion: Während seine unteren beiden Ebenen in den Hang gegraben sind und Räume für die Mitarbeiter:innen enthalten, stehen die oberen beiden Etagen für Besucher:innen offen. Mit einem Verkaufsraum, einem großzügig verglasten Flur, der Einblicke in Lager und Produktion ermöglicht, sowie einem Saal für Verkostungen auf der höchsten Ebene. Schließlich ist auch das Dach begehbar, das fantastische Aussichten über die umliegenden Weinberge eröffnet. Der eigentliche Weinkeller mit seinen Holz- und Edelstahlfässern liegt auf der untersten Ebene in dem großen schwarzen Block verborgen. Die Anlieferung der Trauben erfolgt über einen überdachten Außenraum am südlichen Ende mit direkter Anbindung an die Weinberge. Auf gleicher Ebene folgen Kelterei, Labor, Zwischenproduktion und Abfüllung. Zwei hohe senkrechte Dachaufbauten führen Tageslicht in die darunterliegenden Treppenhäuser. Die dunkle Fassade aus schwarzem Klinkermauerwerk ist hinterlüftet, die massive Betonkonstruktion mit Mineralwolle gedämmt. In einer Weinregion, deren Rebsorten auf Schiefer gedeihen, ist ein Bodenbelag aus dem Millionen Jahre alten Naturstein natürlich erste Wahl. So sind die Böden in den repräsentativen Räumen mit großen, gebürsteten schwarzen Schieferplatten bedeckt.
Wir werden exklusiv durch das gesamte Weingut geführt und verkosten zum Schluss fünf Premium-Weine der Quinta da Gaivosa – Rosa Celeste, Douro Tinto, Abandonado, Porto White 10 Anos, Porto Tawny 20 Anos und einen Vintage Port der Quinta de Oliveirinha.
Danach fahren wir wieder zurück ins Hotel und chillen am Pool. Wir sind die einzigen, da es kühl ist und die Sonne von dichten Wolken verdeckt ist, aus denen es zeitweise sogar leicht nieselt.















Quinta do Vallado
Am späten Nachmittag steht die nächste Quinta am Programm: Erbaut 1716, ist sie eine der ältesten und bekanntesten Weinbau-Anwesen entlang des Douro. Das Hotel mit seinen 13 Zimmern besteht aus dem alten ockerfarbenen Gebäude und einem modernen Hotel aus Schiefer. Auf dem Grundstück befinden sich weitere miteinander verbundene Bauten, in denen sich die Weinherstellung von der Ernte bis zum Verkauf abzeichnet. Die unterschiedlichen Nutzungen spiegeln sich auch in den verschiedenen Ebenen: Auf der untersten Ebene befinden sich nur die Treppe zur fußläufigen Erschließung, kleine Büroräume und Serviceräumen zum Umkleiden für die Mitarbeiter. Auf der zweiten Ebenen liegt der große und offizielle Eingang mit Besucherempfang und einem alten Lagerhaus. Der nächste Höhenverschnitt führt zum sogenannten Hogshead, dem Fasslager in dem der Wein abgefüllt wird und lagern kann, er verfügt über einen separaten Zubringer für Großtransporter. Hinter diesem liegen das Lager A, ebenfalls zur Weinlagerung, Bestandskellerräumen und Technikräumen für die Kelterung. Als letzte Ebene darüber befindet sich die Fermentationshalle, eine große Halle für den Gärungsprozess, dort stehen auch die Fruchtpressen. Diese Gärungshalle liegt dem Berg am nächsten, weil dort die gerade gepflückten Reben ankommen und in einem ersten Schritt verarbeitet werden. Die gesamte Anlage zeichnet so auch den Prozess der Weinherstellung in ihrer Raumabfolge nach. Die Gebäude wurden mit zwei Materialien verkleidet: drei Volumen erhielten eine Schieferfassade, die anderen Baukörper zeichnen sich durch ihre rote und rau belassene Betonfassade schon von Weitem am Hang ab. Die Architekten Francisco Vieira de Campos und Cristina Guedes aus Porto wollten die Gebäude mit dem Land verschmelzen gleichzeitig seine künstliche Natur mit den von Menschenhand angelegten Terrassen erklären.
Zum Schluss verkosten wir einen Weißwein, drei Rotweine und einen Portwein der Quinta. João Ferreira Álvares Ribeiro von der Quinta do Vallado ist übrigens einer der fünf Douro Boys, zu denen noch Francisco „Xito“ Olazábal von der Quinta do Vale Meão, Tómas Roquette von der Quinta do Crasto, Dirk van der Niepoort und Cristiano van Zeller zählen.
Und noch etwas gibt es über die Quinta do Vallado zu berichten: hier wird eine typisch portugiesische Pflanze kultiviert: die Esteva, auf Deutsch Zistrose.















Quinta Nova Nossa Senhora do Carmo über São Leonardo de Galafura und Miradouro de Gouvinhas und Abendessen im Terraçu’s Restaurant
Nach der Verkostung ist schon später Nachmittag und wir fahren ohne Rückkehr zum Hotel zum Restaurant für heute Abend – mit einem Abstecher zu einem der schönsten Aussichtspunkte auf das Douro-Tal: São Leonardo de Galafura. Der wolkenverhangene Himmel lässt den Ausblick noch dramatischer erscheinen. Dann fahren wir die steile, kurvige Straße ein Stück zurück und weiter zur Quinta Nova Nossa Senhora do Carmo. Auf dem Weg liegt auch noch der Miradouro de Gouvinhas.
Zwei Stunden nach der Abfahrt bei der Quinta do Vallado, 600 Höhenmeter bergab und gefühlte 10 000 Kurven später sind wir in der Quinta Nova Nossa Senhora do Carmo angelangt. Wir werden herzlich im Terraçu’s Restaurant empfangen. Wir sind richtig hungrig und bestellen Forelle und Wildschwein als Vorspeise, den portugiesischen Couscous als Zwischengang sowie Oktopus und Lamm als Hauptgang. Auch ein Dessert hat noch Platz. Zum Essen verkosten wir passende Weine der Quinta.
Der einzige Wermutstropfen des heutigen Abends: wir müssen die 50 Kilometer wieder retour ins Hotel. Dieses Mal nehmen wir die Autobahn und ersparen uns zumindest die Kurven. Erschöpft und zufrieden zugleich fallen wir ins Bett.






































