Morgendlicher Flug und ein halber Tag in Porto

Um 3:00 Uhr geht’s los: wir fahren nach München und sind drei Stunden später am Flughafen angelangt. Wir haben wie immer das Parkhaus P20 mit dem E-Ladeservice reserviert und übergeben das Auto. Am Flughafen frühstücken wir Weißwurst mit Brezen, dazu ein schönes Weißbier – schmeckt um halb acht Uhr morgens erstaunlich gut. Am Gate angelangt, ist auch schon das Boarding in Gange. Der Flug ist etwas verspätet, um 8:55 heben wir ab Richtung Südwesten. Wir fliegen nördlich entlang der Alpen und haben einen wunderbaren Ausblick etwa auf den Montblanc. Die Route führt uns über Lyon, Toulouse und Nordspanien. Nach exakt drei Stunden landen wir am Flughafen Porto. Es ist erst 10:55, denn Porto liegt in einer anderen Zeitzone.
Unser vorbestelltes Taxi wartet bereits auf uns und bringt uns in einer knappen halben Stunde Fahrt ins Stadtzentrum von Porto.

Ein erster Eindruck von Porto: Igreja dos Clérigos, Livraria Lello, Igreja do Carmo, und– und eine Francesinha

Im „Wine and Books Hotel“ werden wir freundlich empfangen und können bereits in unser Zimmer einchecken. Es ist groß und luxuriös, hier halten wir es bis Montag aus.

Unser erstes Ziel ist ein kleines Bistro um die Ecke, wir haben Hunger. Wir bestellen eine Francesinha, ein portugiesisches Lokalgericht. Es besteht aus Toastbrot, Kochschinken, Linguiça-Scheiben, gebratenem Rindfleisch, einem Spiegelei und geschmolzenem Käse, übergossen mit einer heißen, dickflüssigen Sauce aus Tomaten, Bier und Senf. Dazu gibt es Pommes. Nicht gerade kalorienarm, aber köstlich. Dazu essen wir Pimientos de Padron und trinken ein kühles Estrella. Unser Porto-Besuch hat gut begonnen.

Gestärkt besteigen wir den Torre dos Clérigos, das Highlight der gleichnamige Kirche Igreja dos Clérigos. Diese wurde Mitte des 18. Jahrhunderts von dem italienischen Barockbaumeister Nicolau Nasoni errichtet, dessen Spuren an vielen Monumenten Portos und der nördlichen Region Portugals zu finden sind. Der Glockenturm aus Granit erinnert ein wenig an toskanische Campaniles und ist der höchste Kirchturm Portugals. Wir haben Tickets für die Turmbesteigung und gehen 225 Stufen bzw. sechs Stockwerke bzw. 76 Meter nach oben und haben einen fantastischen Ausblick auf Porto. Übrigens gibt es sogar eine 2 Euro-Münze, auf der das Porto-Wahrzeichen abgebildet ist.

So viele Stufen machen durstig und wir trinken ein schnelles Glas Weißwein im BASE Porto am Praça de Lisboa, einem schön gestalteten Platz mit Olivenbäumen und einem Café.

Dann gehen wir zur nahegelegenen Livraria Lello – wir haben uns Tickets für einen bevorzugten Eintritt im Vorfeld gekauft, da die angeblich schönste Buchhandlung der Welt sehr beliebt sein soll. Die Livraria Lello soll Einfluss auf die Harry-Potter-Romane gehabt haben, denn die Autorin Joanne K. Rowling, lebte Anfang der 1990-er Jahre einige Zeit in Porto. Das Gebäude selbst wurde im Jugendstil errichtet. Im Inneren finden wir Büsten von bedeutenden portugiesischen Schriftstellern, klassische portugiesische sowie politische Literatur. Das Kernelement ist die hölzerne Treppe, die ins Obergeschoß führt. Mit unseren Gold-Tickets können wir an der Warteschlange vorbei und ersparen uns mindestens eine halbe Stunde Zeit. Drinnen ist es sehr voll und heiß, sehenswert ist die Buchhandlung allemal.

Wieder draußen, lockt uns gleich neben der Livraria Lello ein Eissalon, in dem jedes bestellte Tüteneis kunstvoll als Blume angerichtet wird. Es schmeckt köstlich!

Unser letztes Ziel ist die Igreja do Carmo, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Die Kirche des dritten Ordens der Heiligen von Carmo wurde im 18. Jahrhundert im Rokokostil errichtet und ist für ihre einzigartige Seitenfassade bekannt. Diese ist vollständig mit den landestypischen Azulejos bedeckt. Die hellblauen Kacheln sind ein beliebtes Fotomotiv und erzählen die Geschichte um den Kult von Nossa Senhora. Leider sind die Azulejos von einem dünnen Netz verhüllt, was die Leuchtkraft der Fliesen erheblich einschränkt.

Wir spazieren über den Praça de Carlos Alberto zurück ins Hotel und rasten uns ein wenig aus.

Abendspaziergang: Rathaus von Porto, Bolhão-Markt, Capela das Almas und Igreja de Santo Ildefonso

Frisch geduscht machen wir uns auf den Weg zum Restaurant, das wir für heute gebucht haben. Da auf dem Weg einige der wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Porto liegen, haben wir etwas Zeit eingeplant. Zunächst kommen wir auf den großen Platz an der Avenida dos Aliados an dessen Ende sich das Câmara Municipal do Porto befindet. Das Rathaus hat eine Fassade ist aus Granit und ist mit einem Dutzend von José Sousa Caldas und Henrique Moreira entworfenen Skulpturen verziert, die jeweils für Porto typische Aktivitäten zeigen, z. B. den Weinbau, die Industrie und die Navigation. Vor dem Gebäude steht eine Statue des Dichters Almeida Garrett, vor 70 Jahren vom Bildhauer Barata Feio angefertigt. Der Bau des robusten und imposanten Gebäudes begann im Jahre 1920 mit einem Projekt des Architekten António Correia da Silva und wurde erst im Jahre 1955 definitiv fertiggestellt. In der Mitte erhebt sich ein 70 m hoher Festungsturm mit einem Glockenspiel, Symbol der großen Bedeutung des bürgerlichen Lebens für die Bewohner Portos.

Nachdem wir in keiner Stadt den Markt auslassen, gehen wir zum nahe gelegenen Mercado do Bolhão. Das Gebäude im Beaux-Arts-Stil hat einen offenen Innenhof, der seit über 100 Jahren als Marktfläche für regionale Waren dient. In den schmalen Gängen riecht es abwechselnd nach Fisch, Fleisch oder frischen Blumen. Der Markt wurde kürzlich vom Architekten Nuno Valentim im Auftrag der Stadt Porto renoviert.

Hinter dem Markt liegt die beeindruckende Capela das Almas, deren Fassade mit 15.947 Azuleios verziert ist. Die typisch portugiesischen Wandfliesen zeigen verschiedene Szenen Heiliger. Die Kirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts erbaut und gehörte ursprünglich zu einem Friedhof für Verstorbene ohne Angehörige und ohne die Mittel für ein ordentliches Begräbnis. Der Name „Kapelle der Seelen“ rührt von dieser düsteren Entstehungsgeschichte. Die Wandfliesen gestaltete der Künstler Eduardo Leite erst 134 Jahre später, im Jahre 1929. Im Inneren der Kapelle herrscht Grabesstille, der Lärm von draußen ist ausgesperrt.

Zum Schluss steht eine weitere Kirche auf dem Programm, die Igreja de Santo Ildefonso. Auch sie wurde im Barockstil in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut und wird an der Außenfassade ebenfalls mit vielen Azulejos geziert. Gleich um die Ecke befindet sich unser Restaurant.

Abendessen am Chef’s Table des Euskalduna Studio

Das Euskalduna Studio trägt einen Michelin-Stern, sieht aus wie ein japanisches Gourmetrestaurant, hat einen baskischen Namen und serviert Produkte aus Portugal. Es gibt nur 18 Sitzplätze, zehn davon sind direkt an der Theke, wo man den Köchen zusehen kann. Der Chef Vasco Coelho Santos serviert seinen Gästen ausschließlich Menüs in zehn Gängen, die jeden Tag variieren. Das Küchenteam kombiniert Kreativität mit herkömmlichen Kochtechniken und brechen dabei Grenzen auf. Ihr Credo: Ein kulinarisches Erlebnis, das Spaß machen soll und alle Sinne anregt.
Wir essen viel Fisch und Gemüse, die einzelnen Gänge sind fantastisch, ebenso die Weinbegleitung. Durch den Platz an der Theke ist der Abend kommunikativ, wir sprechen sowohl mit den Köchen, dem Sommelier als auch mit den anderen Gästen, die aufgefädelt neben uns sitzen. Wir verbringen ganze vier Stunden im Restaurant und verlassen es kurz nach Mitternacht satt und zufrieden.

Wir spazieren noch fast eine halbe Stunde durch das nächtliche Porto, in den Gassen ist viel los. Während wir gegessen haben, hat die portugiesische Nationalmannschaft das EM-Viertelfinale gegen Frankreich verloren – sonst wäre wohl noch viel mehr los gewesen. Im Hotel angekommen, fallen wir sofort ins weiche Bett, wir sind immerhin seit 23 Stunden auf den Beinen.