Reykjavík zu Fuß I

Gefrühstückt wird heute im Zimmer. Der Kühlschrank ist reichlich gefüllt mit Wurst, Käse, Eiern, Gemüse, Butter, Marmelade, Joghurt und Obst. An der Tür finden wir einen Sack mit frischen Brotscheiben. Heute werden wir den ganzen Tag in der isländischen Hauptstadt bleiben und sie zu Fuß erkunden. Noch vor Sonnenaufgang verlassen wir unser gemütliches Zimmer und gehen zum Sólfar, zu Deutsch „Sonnenfahrt“. Es ist eine Skulptur vom Künstler Jón Gunnar Àrnason, die anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Stadt Reykjavík im Zuge eines Wettbewerbs im Jahr 1986 geschaffen wurde. Das Kunstwerk zeigt nach Norden, ist zur Gänze aus Edelstahl und ähnelt einem Wikingerschiff. Danach gehen wir weiter zum Opern- und Konzerthaus Harpa. Das Gebäude wurde von dem dänischen Architektenbüro Henning Larsen in Zusammenarbeit mit dem isländischen Architektenbüro Batteríið und dem Künstler Ólafur Elíasson geplant und 2011 eröffnet. Das 43 Meter hohe Gebäude besteht aus zwei leicht versetzten quaderförmigen Teilen mit schrägen Kanten. Es beherbergt einen großen Konzertsaal mit 1.800 Sitzplätzen und drei kleinere Konzerträume. Auffallend ist die Umhüllung des Gebäudes, die von den unterschiedlichen Lichtstimmungen Islands beeinflusst ist. Sie besteht aus einer wabenartigen Struktur aus dichroitischem Glas, das je nach Wetter auf die wechselnden Tageslichtfarben reagiert. Gleich daneben befindet sich der knallgelbe Ingólfsgarður Leuchtturm. Der Weg führt uns weiter in den alten Hafen, vorbei an bunten kleinen Häusern, moderner Architektur, Hallen und Schiffen. Es hat zu schneien begonnen, dicke Flocken tanzen vom Himmel und verwandeln die Gegend in ein weißes Märchen. Wir umrunden die gesamten Hafenbecken und gehen bis zum Ende, wo Þúfa zu finden ist. Der acht Meter hohe Hügel ist eine Outdoor-Installation des Künstlers Ólöf Norda mit einem spiralförmigen Weg auf die kleine Kuppe. Oben steht eine Hütte, wo harðfiskur getrocknet wird. Wir spazieren den engen Pfad hinauf und haben eine gute Aussicht auf Reykjavík. Dann geht’s retour, vorbei am Flohmarkt Kolaportið, der feiertagsbedingt aber nicht geöffnet ist. Nächster Stopp ist Austurvöllur, ein Platz neben dem Alþingi, dem isländischen Parlament. Auf dem Vorplatz steht ein Denkmal für Jón Sigurðsson, der sich um die Selbständigkeit Islands von Dänemark bemüht hatte. Gleich um die nächste Ecke liegt der See Tjörnin, auch Reykjavíkurtjörn genannt. Sein Wasser kommt aus dem Gebiet Vatnsmýri, das südlich vom See liegt. Der Abfluss ist der Lækurinn, der Bach, der jetzt unter der Lækjargata nach Norden Richtung Hafen verläuft. Im See liegen zwei kleine Inseln. Die Brücke Skóthúsvegur teilt den See, der Lebensraum für Gänse, Enten, Schwäne und andere Vögel ist. Tjörnin bedeutet übrigens „Der Teich“. Wir erholen uns im Hard Rock Café Reykjavík vom langen Fußmarsch. Es ist bereits Nachmittag, als wir ins Zimmer zurückkommen. Nachdem es immer noch schneit, tauschen wir kurzerhand das Nachmittagsprogramm von heute und morgen. Eigentlich wollten wir durch die Einkaufsstraßen in der Innenstadt bummeln, nun gehen wir zu Fuß zum Perlan. Der Weg dorthin führt uns durch Gassen mit bunten Häusern und vorbei an der Hallgrímskirkja. die wir morgen noch einmal besuchen werden. Das letzte Wegstück führt uns durch eine kleine Anhöhe, wo Bäume stehen – das sind wir gar nicht mehr gewohnt.

Nach einer halben Stunde sind wir angelangt. Perlan heißt Perle und ist ein Warmwasserspeicher. Von hier aus wird die Stadt mit Warmwasser versorgt, auch die im Winter beheizten Gehwege und Straßen. Die vier großen Tanks tragen eine Glaskuppel. Lampen erzeugen die Illusion eines Sternenhimmels, Spiegel reflektieren den Himmel und so öfter auch Polarlichter in das Innere des Gebäudes. Am Dach der Tanks befindet sich eine Aussichtsplattform, die einen Blick über Reykjavík und weit in das Land hinein erlaubt. Direkt unter der Kuppel befindet sich ein Drehrestaurant, so dass man beim Essen ebenfalls den Rundblick genießen kann. Seit Juli 2017 befindet sich im Gebäude das Museum der Naturwunder Islands mit einem künstlichen Gletscher samt Eishöhle, entworfen und gebaut von Susan Christianen und Johan Larsson. Wir gehen einmal rund um die Aussichtsplattform und haben einen schönen Blick auf die Stadt und die Umgebung. Es ist bereits dämmrig, wir gehen wieder hinein und lassen uns von einer 20-minütigen Árora-Show faszinieren. Wir sitzen in bequemen Kinosesseln und haben eine Kuppel mit 360 Grad Blick über uns, die uns hoch aufgelöste Polarlichtaufnahmen zeigt. Wir erfahren eine Menge Wissenswertes über das Phänomen Aurora Borealis. Danach erkunden wir das Museum und statten auch dem Restaurant einen kurzen Besuch ab. Dann marschieren wir wieder zurück, es ist bereits dunkel.

Zu Abend essen wir im Seafood-Restaurant Messinn. Das gemütliche Lokal ist genau richtig für unseren Hunger. Wir essen Hummersuppe (Christoph) und gebeizten Lachs (Claudia) als Vorspeise, Seafood-Pasta (Claudia) und Lachs mit Honigkruste (Christoph) als Hauptgang sowie Schokokuchen (Christoph) und Apple-Crumble (Claudia) zum Dessert. Dazu gibt eine Flasche französischen Sauvignon Blanc – alles zu einem vernünftigen Preis. Heute sind haben wir fast 25.000 Schritte geschafft – mehr als bei der Gletscherwanderung oder den heißen Quellen, dort waren es immer rund 20.000.