Gletscherwanderung – Hofkirkja – Svartifoss – Hof

Zuerst einmal: Frohe Weihnachten! Unser Programm für heute gestalten wir dem Anlass angemessen: Wir haben eine vierstündige Gletscherwanderung mit Besuch einer Eishöhle gebucht. Danach steht eine Wanderung zum Svartifoss an. Am Abend gibt’s ein Weihnachtsmenü im Hotel.

Skaftafell: Gletscherwanderung mit Eishöhle

Wir frühstücken bereits um 7:00 Uhr, denn um 8:40 Uhr ist Treffpunkt für unsere gebuchte Gletscherwanderung beim Skaftafell Tour Center. Nach 20 Minuten Fahrt sind wir dort – es ist bereits einiges los. Wir bekommen Helme mit Stirnlampe, Pickel und Steigeisen sowie ein Geschirr umgelegt. Es kommen immer mehr Leute, es wird zusammengewartet, bis alle da sind. Um 9:30 Uhr geht es endlich los, wir fahren im Konvoi Richtung Gletscherzunge des Svinafellsjökull. Dort steigen wir aus und gehen im Gänsemarsch 20 Minuten bis zur Abbruchkante des Gletschers. Dort werden wir in Gruppen aufgeteilt. Unser Guide ist der gut aufgelegte Martin, der uns im Laufe der Tour noch viele Infos zum Gletscher und zur Klimaerwärmung geben wird, aber uns vor allem mit Rat und Tat bei der Wanderung zur Seite steht. Nach ein paar engen Pfaden in Serpentinen hinauf sind wir beim Eis angelangt. Wir legen die Steigeisen an und stapfen hinauf Richtung Gletscher. Bald schon kommen wir zu einer Eishöhle, die wir sogar von innen besichtigen dürfen. Trauriger Fakt: Diese Höhle wird es in zwei Wochen nicht mehr geben, weil sie geschmolzen sein wird. In Island schmelzen die Gletscher viel schneller, als sie sollten, weiß Martin. Als wir in der Eishöhle sind, klaut uns ein frecher Rabe einen Müsliriegel aus dem Rucksack – trotz verschlossenen Reißverschlusses! Beim weiteren Aufstieg auf den Gletscher wird die Umgebung immer bizarrer. Wir sehen Löcher, die sich durch Wasserstrudel bilden und bis zu 30 Meter tief werden können. Fällt man hinein, wird man vom unterirdischen Wasser unter den Gletscher gezogen und ins Meer gespült – kein erstrebenswerter Zustand. Wir wandern über von den Guides ins Eis gehauene Stufen zwischen Eiswänden und sind wirklich angetan von der Schönheit des Gletschers. Martin erklärt uns, was wir als Einzelne gegen den Klimawandel machen können, was wir an dieser Stelle gleich weitergeben: Vom „Planeten“ sprechen und nicht von der „Welt“ sowie weniger Fleisch essen – und wenn, dann nur gute Qualität. Nach vier Stunden ist unsere Tour zu Ende – es war anstrengend, aber wunderschön!

Hofskirkja

Da wir ganz in der Nähe unserer Unterkunft sind, statten wir der Hofskirka noch einen Besuch bei Tag ab, bevor wir wieder Richtung Skaftafell fahren. Wir waren bereits gestern nach dem Abendessen noch zu Fuß da. Die Torfkirche samt den Gräbern rundherum ist einfach fotogen!

Svartifoss

Danach fahren wir wieder die 20 Minuten Richtung Skaftafell Nationalpark. Unser nächstes Ziel: Der Svartifoss [’svar̥tɪˌfɔsː], übersetzt „schwarzer Wasserfall“. Er ist nach der Farbe des umgebenden Gesteins benannt. Der Stórilækur (großer Bach) stürzt über eine Felskante, die von Basaltsäulen wie Orgelpfeifen eingerahmt wird und fließt weiter ins Vestragil (Westschlucht). Nach etwa zwei Kilometern Marsch bergauf haben wir es geschafft und sind ganz allein bei einem wirklich beeindruckenden Wasserfall. An den Basaltsäulen hängen Eiszapfen und auch die Stelle, wo der Wasserfall an den Boden trifft, ist vereist. Eindeutig ein Must-See, wenn man in Südisland ist. Die Sonne ist gerade untergegangen, die blaue Stunde beginnt. Zurück gehen wir einen einfacheren Weg, der ein wenig länger ist. Wohlbehalten kommen wir in der Dämmerung unten an und fahren zurück zum Hotel – wir sind erledigt vom vielen Wandern. Übrigens, die Weihnachtsmaus haben wir auch getroffen 😉.

Weihnachten einmal anders

Die Dusche nach unseren heutigen Touren ist herrlich! Nachdem auch heute die Gäste wegen der verschärften Coronaregeln in drei Gruppen zum Abendessen kommen, haben wir nur eine Stunde Zeit für unser Weihnachtsmenü. Dieses Mal mit Hummersuppe, Truthahnsandwich und Nachspeise – einmal gebackener Apfel mit Zimt (Christoph) und einmal traditionelles isländisches Dessert, das an gebackene Mäuse erinnert, mit gesalzener Karamellsauce. Dieses Mal probieren wir zum Abschluss auch den isländischen Schnaps Brennivín, der aus fermentiertem Getreide hergestellt und mit Kümmelaroma versehen wird. Nach dem Abendessen sind wir streichfähig und gehen schlafen. Als uns um 23:00 Uhr ein Nordlicht-Alarm am Handy weckt, stehen wir wieder auf. Bei unserer Unterkunft ist der Himmel bedeckt, keine Chance auf Nordlichter. Wir fahren zum dritten Mal heute Richtung Skaftafell und können das Nordlicht zwar grün schimmern sehen, aber nicht in seiner vollen Pracht bewundern, da sich genau eine Wolke vorgeschoben hat. Schade! So klingt unser Weihnachtsabend aus, um 1:00 Uhr sind wir wieder im Zimmer und können nun endgültig schlafen.