Zum Frühstück gibt es Eierspeise, knusprigen Speck, Wurst, Käse, Gebäck, Toastbrot, gesalzene Butter, Müsliriegel und Obst in der Sky Lounge im obersten Stock des Hotels. Gleich danach checken wir aus und brechen noch im Dunkeln nach Norden auf. Wir werden die Halbinsel Snæfellsnes [’stn̥aiːfɛlsnɛs] besuchen. Sie liegt westlich des Borgarfjörður in Westisland. Die dünn besiedelte Halbinsel hat zahlreiche landschaftliche Schönheiten aufzuweisen und man hat sie schon das „Island in Miniatur“ genannt, weil sie auf kleinster Fläche alle Reize der großen Insel wiedergibt.
Bis zu unserem ersten Ziel sind es 180 Kilometer, insgesamt haben wir heute eine Strecke von rund 300 Kilometern vor uns. Die Fahrt beginnt in Dunkelheit. Eine halbe Stunde verspätet, um 9:30 Uhr, starten wir in Reykjavík. Während der Fahrt beginnt es zu dämmern und wir erahnen die Umrisse der ersten Vulkane. Wir fahren über Lavafelder, Fjorde, durch einen sechs Kilometer langen Unterwassertunnel, bis wir auf der Halbinsel ankommen. Dort wird es zunehmend nebelig und trüb, beste Bedingungen für Isländisch Moos, das das geronnene Magma mit einem grünen Film überzieht. Bei der Durchquerung von Südost nach Nordwest lichtet sich der Nebel wieder und wir kommen – ungeplant – beim Selvallafoss vorbei. Wir sind beeindruckt! Danach steuern wir unser erstes geplantes Ziel für den heutigen Tag an, den Kirkjufell.














Kirkjufell
Der Berg Kirkjufell (463 m) befindet sich nahe der Stadt Grundarfjörður am westlichen Ufer des gleichnamigen Fjordes Grundarfjörður im Norden der Halbinsel Snæfellsnes. Übersetzt bedeutet sein Name „Kirchberg“, sein kegelförmiges Aussehen macht ihn einzigartig. Bilder mit Wasserfall im Vordergrund finden sich in jedem Island-Reiseführer. Serienfans kommt der Berg vielleicht auch bekannt vor: In der siebten Staffel von „Game of Thrones“ ist Jon Schnee nördlich der Mauer unterwegs – vor der wunderbaren Kulisse des verschneiten Kirkjufell.
Der Berg sieht in jeder Minute anders aus, je nachdem, wie die Lichtverhältnisse und der Blickwinkel sind. Wir bleiben eine ganze Stunde und sind über weite Strecken allein.



















Búðakirkja
Wir durchqueren die Halbinsel Snæfellsnes ein zweites Mal und können die Landschaft gar nicht fassen. Steilküsten, in denen Vögel nisten, Strände, an denen sich Wellen brechen, die direkt aus Grönland kommen, Wasserfälle, die die Hänge herabstürzen und dampfende Wasserläufe. Dann sind wir bei der schwarzen Kirche in Búðir, die einfach nur ein tolles Fotomotiv ist. Im Sommer finden dort Hochzeiten statt.




















Lóndrangar & Arnarstapi
Danach gehts weiter an der Südküste von Snæfellsnes Richtung Westen. Eigentlich hätten wir um 14:00 Uhr eine Führung in der Vatnshellir gebucht. Weil wir aber verspätet wegfuhren und ein paar ungeplante, aber lohnende Zwischenstopps eingelegt haben, geht sich die Tour nicht mehr aus. Wir lassen die Tickets verfallen. Was hätte uns erwartet? Eine rund 50-minütige Tour in Richtung Erdinneres des Gletschervulkans Snæfellsnes. 8.000 Jahre ist die Vulkanhöhle alt, sie entstand nach einem Vulkanausbruch des Snæfellsnes durch Lavaströme. Bekannt wurde sie als Einstieg in die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ von Jules Verne.
So fahren wir direkt zu den Lóndrangar. Die Lóndrangar sind zwei über 60 Meter hohe Felsnadeln vulkanischen Ursprungs. Sie bestehen aus Basalt und sind das Ergebnis eines Erosionsprozesses.









Zehn Minuten Autofahrt weiter sind wir in Arnarstapi angekommen. Dort spazieren wir den Küstenweg Richtung Hellnar und haben großartige Ausblicke auf die Küste. Wir gehen bis zum „Gatklettur“, dem mächtigen Steinbogen aus Basalt und statten auch noch dem Wikinger Bárður Snæfellsás aus Stein einen Besuch ab, bevor wir zum Auto zurückgehen.















Langaholt
Wir fahren wieder zurück Richtung Osten, draußen ist es schon dämmrig. Wir fahren weitere 30 Kilometer zu unserer Unterkunft für heute, dem Langaholt Guesthouse. Es liegt direkt am Ytri Tunga Strand, wo man im Sommer Robben beobachten kann. Als wir ankommen, ist es schon dunkel, den Strand hören wir nur noch mit seinen tosenden Wellen. Das Zimmer ist einfach, aber groß und sauber. Um 18:00 Uhr gehen wir Abendessen, wir haben seit dem Frühstück nichts mehr gegessen. Wir essen Fischsuppe, Lamm (Christoph als Fleischbällchen, Claudia als Filet) und einen Schokokuchen. Dazu trinken wir köstlich kaltes isländisches Leitungswasser und isländisches Bier.
Dann gehen wir aufs Zimmer und warten schlafend (Christoph) und Blog-schreibend (Claudia), dass es Mitternacht wird. Die App meint, dann wären gute Bedingungen, die Aurora Borealis, das Nordlicht, zu sehen. Und tatsächlich, exakt um Mitternacht sehen wir von unserem Balkon aus das Nordlicht – als grünen Schleier, der sich langsam bewegt. Wir ziehen uns an und betrachten es im Freien. Etwa eine halbe Stunde lang ist es sichtbar, wird dann immer schwächer und verschwindet dann genauso geräuschlos, wie es gekommen ist. So einen Anblick vergisst man nie wieder!






