Indian Summer in Neuengland

Das heutige Frühstück ist schnell erzählt: Am Vortag vorbereitete Croissants und Muffins am Zimmer, danach eine Schüssel Frosties mit Milch. Ungesund und unbefriedigend. Nachdem wir immer alles positiv sehen: so kommen wir wenigstens früher als geplant weg.

Es ist kalt draußen, tagsüber soll es 30 Grad bekommen. Die Stecke bis zum Kancamagus Highway ist schon recht schön, aber als wir beim White Mountain National Forest ankommen, wird es noch einmal schöner.

Der Kancamagus Highway

Am Kancamagus Scenic Byway ist die Hölle los. Der 34,5 Meilen (55,5 Kilometer) lange Streckenabschnitt zwischen North Woodstock, New Hampshire und Conway ist der Hotspot für den Indian Summer Tourismus. Die bunten Wälder sind dort besonders schön. Es ist sehr viel los, an den wenigen Parkmöglichkeiten, die es gibt, stapeln sich die Autos regelrecht. Wir erhaschen dennoch den einen oder anderen schönen Ausblick, nicht zuletzt durch das Autodach unseres Mazda CX-5. Jedenfalls genießen wir die Fahrt durch das duftende bunte Blätterparadies und kommen rechtzeitig nach Conway. Wir werden heute noch mit der Eisenbahn fahren.

Conway Scenic Railroad und eine Nacht in Jackson

Um 13 Uhr kommen wir nach North Conway, in einer halben Stunde geht unsere Fahrt mit der Conway Scenic Railroad los. Rund um den Bahnhof regiert das Chaos. Autos suchen verzweifelt Parkplätze, wir sehen schon von weither wartende Menschenschlangen. Wir haben unser Auto in einer Nebenstraße geparkt und entgehen somit dem ersten Chaos. Aber ins zweite geraten wir. Wir stellen uns an der Warteschlange für den Zug an. Dort werden wir belehrt, dass wir zuerst unsere ausgedruckten Buchungsbestätigungen in Zugtickets umtauschen müssen. Wir stellen uns bei der zweiten Schlange an, um genau das zu tun. Als wir an der Reihe sind, sind genau noch fünf Minuten bis Zugabfahrt. Und wir verstehen alles. Hinter dem Schalter sitzt eine betagte Dame, die die Tickets in einem Karteikartensystem eingeordnet hat und bei jeder Person die richtigen finden muss, nach Nachnamen sortiert. In Zeiten von QR-Codes und digitalen Ticketing-Systemen unverständlich! Es gibt weit und breit auch niemanden, der die Menschenmassen leitet. Gerade noch rechtzeitig schaffen wir es in unseren Zug – den Mountaineer. Wir haben die besten Sitze gebucht und sitzen auf gepolsterten Bänken unter einer Glaskuppel. Die Dampflok zieht die Waggone stetig bergauf bis zum Bahnhof Crawford Depot. Die Landschaft ist atemberaubend, an uns ziehen bunte Wälder, Schluchten, Brücken und Flüsse vorbei. Nach ca. 90 Minuten Fahrt dürfen wir für eine halbe Stunde aussteigen, während sich die Lokomotive an die andere Seite des Zuges hängt, damit wir wieder retour fahren können. Wir fahren dieselbe Strecke wieder zurück, tauschen aber die Plätze mit den Nachbarn, damit wir von der anderen Seite auch einen Eindruck bekommen. Es dämmert bereits, als wir wieder in Conway angekommen sind. Zur heutigen Unterkunft sind es nur etwa zehn Meilen, wir haben das Boutique Hotel The Wentworth in Jackson ausgesucht. Ein Schi- und Golfresort in den Appalachen mit einem großen Salon im Eingangsbereich. Wir haben ein schönes großes Zimmer in einem der angeschlossenen Cottages. Auf den zweiten Blick ist alles ein wenig in die Jahre gekommen, aber gut in Schuss. Wir haben heute nur noch eines vor: Abendessen. Wir bleiben im Hotel und essen im hauseigenen Restaurant 1869 Room. Auch die Empfangsdame und die anderen Gäste sind in die Jahre gekommen, wir kommen uns sehr jung und sportlich vor. Eindeutiger Fall von dialektischem Materialismus – das Sein bestimmt das Bewusstsein. Wir essen vorzüglich – Burrata, Kichererbsensalat, Steak, Lachs und Schoko-Brownie. Auch der kalifornische Chardonnay dazu schmeckt vorzüglich. Obwohl es erst 21:30 Uhr ist, sind wir die letzten Gäste. Wir passen uns an die altersgerechten Zeiten an und gehen früh schlafen.

Schritte: 9.300
Gefahrene Kilometer: 200