Noch mehr Weingüter im Rioja

Noch mehr Weingüter im Rioja

Morgendliche Laufrunde, Frühstück und Check-Out

Der Morgen beginnt für Claudia heute wieder eine Stunde früher – ein Morgenlauf steht am Programm. Entlang des Ebro führt ein wunderschöner Treppelpfad bis zur Brücke, die wir gestern überquert haben. Die aufgehende Sonne färbt den Morgenhimmel rosa, dafür hat sich das Aufstehen gelohnt. Bei der Brücke angekommen, geht es wieder. Auf den letzten Metern gilt es ein Hindernis zu überwinden: eine schar Gänse versperrt den Weg. Als Claudia ihnen zu nahe kommt, fauchen sie, keine Chance, vorbeizukommen. Also heißt es umdrehen und eine Stelle finden, die nicht zu steil und verwchsen ist, um zur parallel führenden Straße zu gelangen. Der Umweg ist nicht allzu groß, die letzten Meter führen durch den Kern des kleinen Dorfes Briñas.

Dann frühstücken wir ein letztes Mal im Palacio Tondón und checken auch gleich aus – heute geht es weiter nach Logroño, der Hauptstadt des Rioja.

Bodega Torre de Oña

Um 10:00 Uhr haben wir die nächste Weinführung gebucht, und zwar in der Bodega Torre de Oña. Es ist eines der vier Weingüter von La Rioja Alta und liegt idyllisch zwischen San Vicente de la Sonsierra und Laguardia. Eine Stunde lang führt uns eine Mitarbeiterin durch das Weingut und erklärt uns, wie der Wein dort verarbeitet wird. Obwohl wir immer wieder die gleichen theoretischen Dinge über Mazeration, biologischen Säureabbau und Lagerung hören, arbeitet doch jedes Weingut anders. Hier ist alles Topmodern, jeder Stahltank kann digital gesteuert werden und auch die Barriquekeller sind mit einer modernen Befeuchtungs- und Kühlanlage ausgestattet. Die ältesten Weinstöcke sind 103 Jahre alt, alle Weine werden von Hand gelesen und bieten Top-Qualität. Von dieser können wir uns bei drei Weinproben überzeugen. Nach eineinhalb Stunden ist die Tour inlusive Verkostung beendet, wir bedanken uns für die tolle Betreuung und fahren.

Balcon de la Rioja und Mirador de la Sonsierra

Da wir bis zu unserer nächsten Tour Zeit haben, fahren wir eine 40 Kilometer lange Strecke in die Sierra Cantabria zu den beiden Aussichtspunkten Balcon de la Rioja und Mirador de la Sonsierra. Wir fahren enge Bergstraßen mit Haarnadelkurven und 14 Prozent Steigung. Um Punkt 12:00 Uhr sind wir am exakt 1.100 Meter hohen Herrera Pass angelangt und es hat draußen angenehme 20 Grad. Belohnt werden wir mit schönen Ausblicken auf die Riojaebene.

Bodegas Baigorri

Wir kommen pünktlich um 13:00 Uhr zu unserer nächsten Weintour in den Bodegas Baigorri. Auch diese Tour haben wir vor allem wegen der Architektur ausgewählt. Die Tour startet in einem großen Glaswürfel, den man von weithin sieht. Vom Rest des Weingutes sieht man nichts, denn es ist terrassenförmig in den Hügel gebaut. Der baskische Architekt Iñaki Aspiazu Iza hat das Weingut Anfang der 2000-er Jahre entworfen. Es handelt sich um einen Industriestil, der das Land respektiert und sich nicht in den Vordergrund drängt. Das Gebäude passt sich der Landschaft an und bettet sich in die Umgebung ein. Der Bau spielt mit dem abschüssigen Gelände und gräbt sich dreißig Meter tief in den Boden. Baigorri nutzt dieses Merkmal für eine schonende Weinproduktion unter Beihilfe der Schwerkraft. Insgesamt besteht das Gebäude aus acht Ebenen. Die oberste ist der – bereits erwähnte – quaderförmige Glaskasten. Ein leerer Raum, in dem Besucher als erstes und einzig die umgebende Landschaft wahrnehmen. Auf Ebene Eins sind Büros, das Labor für die Weinkontrolle und der hauseigene Weinshop untergebracht. Ab Ebene Zwei beginnt die konkrete Weinproduktion mit der Annahme des Leseguts. Die geernteten Trauben wandern über Sortiertische und werden per Handlese selektiert. Vom Sortiertisch geht es zum Abbeeren in einer Schüttelvorrichtung. Nach dem Abbeeren laufen die Trauben ein weiteres Mal über den Sortiertisch; die Beschädigten werden erneut manuell ausgelesen. Nun kommt erstmals die Schwerkraft ins Spiel: Nicht über mechanisches Pumpen, das ebenfalls die Schalen der Früchte beschädigen würde, sondern durch Röhren gleiten die Trauben sanft über Spiralen von Ebene Zwei in Ebene Vier. Dort werden sie von zwei Tonnen fassenden Transporttanks aufgefangen, die ihrerseits mit einem Kran zu den 18 Tonnen fassenden Gärtanks auf Ebene Fünf weitertransportiert und „angedockt“ werden. Die großen, schweren Gärtanks sind an seitlichen Stahlträgern befestigt, so kann man sich von Ebene Sechs aus unter die Gärtanks begeben kann. Dies hat zwei Vorteile: Zum einen kann die tägliche Umwälzung der Maische ohne mechanisches Pumpen, sondern mittels Abfluss und Transport in Behältern erfolgen. Zum anderen läuft die extrahierte Maische im nachfolgenden Produktionsschritt ein weiteres Mal dank Schwerkraft und ohne Mechanik in die Weinpressen ab. Denn diese Pressen werden auf Rollen unter die Gärtanks geschoben. Final fließt der Wein aus den Pressen zur Reifung in die Barriquefässer, die mit einem Gabelstapler weiter nach Ebene Sieben zur Lagerung gefahren werden. Als wir ganz unten angekommen sind, werden wir zum Restaurant gebracht, das über eine Brücke über dem Barriquekeller erreicht werden kann. Wir verkosten fünf Weine im Restaurant und bekommen dazu eine Kleinigkeit zu essen. Als wir fertig sind, fahren wir noch einmal ganz nach oben zum Glaswürfel und gehen über die Außentreppe nach unten, um den terrassenförmigen Aufbau auch von außen zu betrachten.

Bevor wir nach Logroño fahren, machen wir einen kurzen Abstecher zum Dorf San Vicente de la Sonsierra. Der Ausblick auf die Burg aus dem 12. Jahrhundert ist großartig.

Stadtspaziergang und Abendessen in Logroño

Nach diesem interessanten Nachmittag fahren wir nach Logroño, der Hauptstadt des Rioja. Rund 30 Kilometer entfernt ist die 150.000-Einwohner-Stadt. Wir checken im Sercotel Calle Mayor ein, das mitten im Stadtzentrum liegt. Wir bekommen ein kostenloses Zimmerupgrade und schlafen in einen rund fünf Meter hohen Raum unter dem Dach. Wir rasten ein wenig und machen uns dann fertig für den Abend. Wir spazieren noch eine Stunde durch die sehr lebendige Stadt, vorbei an der Concatedral de Santa María de la Redonda bis zu den Überresten der alten Stadtmauer. Dann trinken wir ein Bier und essen Gildas in einem Lokal an der berühmten Calle Laurel. Durch einen schönen Park spzieren wir zu unserem Lokal für heute Abend: Dem Restaurante Juan Carlos Ferrando. Es ist ein JRE-Betrieb und wir haben bereits im Vorfeld das Menü gebucht – schon wieder gibt es viel zu essen! Besonders begeistern uns der Gang mit Zwiebel, Kartoffelpüree und Eidotter, der Bonito, die Taube und schließlich das Schokodessert mit Olivenöl. Wir sind heute die einzien Gäste und genießen eine Exklusivbetreuung des sehr freundlichen Restaurantteams. Nach zweieinhalb Stunden sind wir fertig und spazieren zurück ins Hotel. Die Bars in den Gassen und auf den Plätzen sind immer noch voll besetzt, diese Stadt schläft anscheinend nie. Wir sind müde und fallen ins weiche Bett. Heutige Schritte: 15.445 (inkl. Claudias Laufrunde).