Das Frühstück ist großartig. Es gibt wieder Eierspeise mit knusprigem Speck, die beste Erdnussbutter der Welt und natürlich Toastbrot, Kaffee, Wurst und Käse. Unsere geplante Route für heute: Reynisfjara Strand in Vík, danach etwa 220 Kilometer über Lavafelder nach Osten bis zur Gletscherlagune Jökulsárlón, mit Zwischenstopp am Fjaðrárgljúfur Canyon, dann wieder 40 Kilometer zurück nach Hof.
Reynisfjara
Vom Hotel sind es rund 20 Autominuten zu unserem ersten Ziel. Wir starten in der Morgendämmerung, damit sich unser ambitioniertes Programm heute auch ausgeht. Es ist extrem windig als wir wegfahren, die Sturmböen versetzen sogar unser Auto. Beim Aussteigen auf dem Parkplatz reißt es die Beifahrertür beinahe aus dem Auto, wir könne sie gerade noch „retten“. Nachdem es die Scharniere verzogen hat, schließt die Tür nicht mehr richtig und knirscht bei jeder Öffnung. Damit müssen wir den Rest des Urlaubes leben. Wir kämpfen uns durch die Sturmböen zum Strand, es wird gerade hell. Es ist einfach grandios. Mit seinen enormen Basaltfelsen, den tosenden Atlantikwellen und atemberaubenden Panoramen gilt Reynisfjara als das schönste Beispiel für Islands schwarze Sandstrände. Im Jahr 1991 wählte National Geographic Reynisfjara unter die Top 10 der nicht-tropischen Strände, die man auf der Welt besuchen kann. Am Ende des Strandes ragen die Reynisdrangar aus dem Wasser. Eines der Top-Fotomotive in Island, das sich in jedem Reiseführer findet. Der isländischen Folklore zufolge waren diese großen Basaltsäulen einst Trolle, die versuchten, Schiffe vom Meer an Land zu ziehen. Diese Trolle waren jedoch schwach und gingen zu spät in der Nacht hinaus; am Horizont brach die Dämmerung an und verwandelte die Trolle in festen Stein. Auch diese Felsspitzen tauchen in einigen Szenen „nördlich der Mauer“ der siebten Staffel der Serie „Game of Thrones“ auf. Auch für die Filme „Star Trek: Into Darkness“, „Rogue One: A Star Wars Story“ und „Noah“ sowie die Serie Vikings diente der Strand als Kulisse. Reynisfjara ist einer der gefährlichsten Strände der Welt, der auch schon Todesopfer gefordert hat. Wie aus dem Nichts können so genannte Sneaker-Wellen auftauchen. Wir halten ehrfürchtig den empfohlenen Sicherheitsabstand zum Meer ein.

















Fjaðrárgljúfur
Weiter geht’s rund 80 Kilometer Richtung Osten bis zum Fjaðrárgljúfur. Auf der Fahrt kommen wir an Lavafeldern und bizarren Landschaften vorbei. Wir wandern ein Stück entlang der Canyon-Kante und sind beeindruckt von diesem Naturwunder. Der Canyon ist an einigen Stellen bis zu 100 Meter tief und hat eine Länge von etwa zwei Kilometern. Entstanden ist die Schlucht durch die Kraft des fließenden Wassers, das sich von den Gletschern kommend einen Weg durch das Palagonitgestein bahnte und im Laufe der Jahrtausende immer tiefer hineingrub. Die Schlucht steht unter Naturschutz.




















Jökulsárlón und Diamond Beach
Der nächste Stopp ist die Gletscherlagune Jökulsárlón. Dazu müssen wir 130 Kilometer nach Osten fahren, zum Schluss führt uns die Straße rund um den Öræfajökull und wieder ans Meer. Der See Jökulsárlón ([ˈjœːkʏlsaurˌlouːn], isländisch jökull ‚Gletscher‘, á ‚Fluss‘, lón ‚Lagune‘, also „Gletscherflusslagune“) ist der bekannteste und größte einer Reihe von Gletscherseen in Island. Er liegt am Südrand des Vatnajökull auf dem Breiðamerkursandur zwischen dem Skaftafell-Nationalpark und Höfn. Mit 284 Metern ist er der tiefste See Islands. Seine Fläche beträgt etwa 18 km². Der Jökulsárlón ist bekannt für die auf ihm treibenden Eisberge, die eine Höhe von bis zu 15 Meter erreichen. Sie lösten sich von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull ab. Oft sind Farbunterschiede in den Eisbergen zu beobachten. Das Blau rührt von verschiedenen Kristallen im Eis und deren Reflexion her, das Schwarz von vulkanischer Asche. Bei der Gletscherlagune gibt es eine Live-Webcam, auf der wir exakt um 14:43 Uhr (Island-Zeit) zu sehen waren. Wir gehen zum „Diamond Beach“, einem schwarzen Sandstrand, auf dem angeschwemmte Eisbrocken liegen und im Tageslicht wie Diamanten funkeln. Daher auch sein Name. Wir erwischen genau die Zeit des Sonnenuntergangs und können gar nicht sattsehen an den verschiedenen Eisbrocken im schwarzen Sand. Wir gehen noch einmal zur Gletscherlagune zurück und bleiben dort, bis es dämmrig wird. Es sind nur noch wenige andere Leute da und genießen den Ausblick in angenehmer Stille.












































Hof
Zu unserer Unterkunft ist es nicht mehr weit. Wir fahren rund eine halbe Stunde wieder zurück nach Westen und checken im Adventure Hotel Hof ein, wo wir die nächsten beiden Nächte verbringen werden. Um 18:00 Uhr essen wir zu Abend – unser Tisch ist nur für eine Stunde reserviert, da die Isländische Regierung Einschränkungen wegen der Omikron-Variante des Coronavirus mit dem heutigen Tag beschlossen hat. Es dürfen nur noch gleichzeitig 20 Personen in einem Restaurant anwesend sein. Deshalb gibt es Schichtbetrieb. Das Essen ist großartig, zwei Gänge und ein Bier gehen sich sogar in einer Dreiviertelstunde aus.
Nach dem Essen spazieren wir zur Hofskirkja, einer der ältesten isländischen Kirchen, die noch in der traditionellen Torfbauweise errichtet wurde. Rund um die Kirche sind Grashügel mit Kreuzen, die sich als Friedhof entpuppen. Gruselig ist es hier in der Finsternis, auch wenn es gerade einmal 20:00 Uhr ist.
Für heute ist eine erhöhte Nordlicht-Wahrscheinlichkeit angesagt. Die App sagt uns, dass wir im 20 Kilometer entfernten Skaftafell gute Chancen haben. Wir fahren kurzerhand um Mitternacht mit dem Auto hin und positionieren uns auf einer Schotterstraße neben dem Gletscher. Und tatsächlich, für ein paar Augenblicke sehen wir unser zweites Nordlicht des Urlaubes. Müde, aber zufrieden kehren wir gegen 2:00 Uhr zurück, um vor der morgigen Tour noch etwas zu schlafen.















